Brotherhood of BikersRockers & Outlaws

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05. Juni 2004

Interview

2004 hat die BIKER Allianz e.V. sich ein neues Outfit zugelegt, professioneller als das Alte und wächst von Monat zu Monat an Informationen. Top Thema war bis jetzt der Artikel zur Helmbefreiung mit den Formularen zur ärztlichen Bescheinigung, dem fachärztlichen Attest und einem Muster einer Ausnahmegenehmigung

Wir führten ein Gespräch mit Sid, dem Presi der BIKER Allianz e.V.

Conni/BA: Wie kam es zu diesen Formularen zur Helmbefreiung ?

Sid: Ich selbst fahre seit fast 4 Jahren ohne Helm. Nach all den Stories die ich erzählen kann über die Polizei, wilden Verfolgungsjagden, Anmachen von Autofahrer und Motorradfahrer, wollte ich all diejenigen die Möglichkeit geben, die dieses Feeling gerne selbst erleben möchten ohne Strafzettel.

Conni/BA: Verfolgungsjagden ? Kann man Details erfahren...?

Sid: Natürlich! In Wasserburg am Inn (Bayern, Ldk: Rosenheim a.d.Red) wurde ich plötzlich von einem wendenden Polizeiauto verfolgt mit Sirene. Daraufhin gab ich Gas und überholte ein paar Autos auf einer eng befahrenen Straße. Bog anschließend in einer Einbahnstraße ab in umgekehrter Richtung, dann auf Schleichwegen zurück an meinem Wohnort ca. 30 km. Am Abend bekam ich Besuch von der örtlichen Polizei des Ldk. Ebersberg. Nach einem kurzen Telefonat mit der Inspektion in Wasserburg wurde mir dann mitgeteilt, dass es nicht um Fahren ohne Helm ging, sondern um Fahrerflucht. Außerdem fährt so ein umgebautes Bike kein Zweiter hier in diesem Landkreis, das würde einem ja direkt ins Auge stechen.

Conni/BA: Wurde ein Verfahren eingeleitet ?

Sid: Ja, nach ca. 1 Woche rief ein Beamter bei mir an, fragte mich nochmals, ob ich denn nicht ein Geständnis ablegen möchte. Ungefähr wieder nach einer Woche bekam ich den zweiten Anruf. Die Frau, die angebliche Zeugin, konnte sich nicht mehr genau daran errinnern an das Kennzeichen bzw. an den Fahrer. Später bekam ich einen Brief von der Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren wegen Verkehrsgefährdung eingestellt wurde.

Conni/BA: Und das alles nur wegen Fahren ohne Helm ?

Sid: Ja! Unglaublich was aus einer Nichtigkeit mit einer Ordnungswidrigkeit von 40 DM (20 €) alles werden kann. Dabei dachte ich, ich lebe in einem Rechtsstaat statt in einer Bananenrepublik. Jetzt stelle mal sich das einer vor bei den sogenannten bösen, kriminellveranlagten Biker und Rocker.

Conni/BA: Kommt daher die Initiative von Dir mit der BIKER-Allianz ?

Sid: Ja. Die Wut über die Art und Weise der Behandlung der Polizei mir gegenüber, als böser Biker. Ein Umstand der dazu beitrug, aber auch der ganze Ärger mit dem TÜV, die Gängeleien bei den Eintragungen und dann der schikanösen Behandlung durch die Polizei, die auch noch diese Eintragungen teilweise anzweifelten. Noch besser, als ich wegen Fahren ohne Licht von einem Motorradpolizisten angehalten wurde. Dann ging dieser Punkt für Punkt jede Eintragung meines Kfz-Scheines durch. Anschließend sollte ich mein Bike anlassen, denn er meinte, es sei zu laut, obwohl die Kess-Tech-Pipes eingetragen waren. Drehte unbefugter Weise an meinem Gasgriff und dann sollte ich mal so eben neben ihm herfahren, weil er eine Geräuschmessung machen wollte.

Conni/BA: Wie ging es dann weiter ?

Sid: Ich begann mich zu betätigen in einer der damals größten Interessensvertretung.

Conni/BA: In welcher Art und Weise ?

Sid: Ich faxte sämtliche Radio und Fernsehstationen an, um die Sternfahrt nach Berlin bekannt zu machen.

Conni/BA: Was geschah dann ?

Sid: Ich nahm an dieser Sternfahrt 1997 bei Regen teil. Mit ein paar Mann fuhren wir von München über Mannheim, Westerwald, Bonn, Hamm über Hannover nach Berlin. Die Organisation war stellenweise lausig, trauriger Höhepunkt war dann Berlin. Dies teilte ich in ungeschönter Art und Weise in einem Leserbrief der BIKERS NEWS mit.

Conni/BA: Gab es dazu Reaktionen ?

Sid: Klar, wie aufgescheuchte Hühner waren die. Keiner wollte, das der Finger in die offene Wunde gelegt wurde und versuchten mich, den Kritiker, als Feind abzustempeln. Aussagen wurden verdreht wiedergegeben in den darauffolgenden Leserbriefen. Der Höhepunkt war dann die Hauptversammlung (HV) in Wieda, als ich in Unterlagen der Organisation näheres erfuhr und auch den ganzen Ablauf total ätzend fand inklusive des gesamten Vorstandes und seiner schlechten Vorträge.

Conni/BA: Die Geburtsstunde der BIKER-Allianz ?

Sid: Ja, aber ausschlaggebend war eine Aussage von Doc Baumsnn, als er vorschlug, ob ich nicht kandidieren wolle für den Vorsitz. Hatte aber keinen Bock mit ´ner Mickey-Maus-Truppe zu arbeiten.

Conni/BA: Gab es denn Geburtswehen ?

Sid: Ja, jede menge Ärger wieder mit den Beamten, diesmal vom Registergericht des Amtsgerichtes. Naja, wir hatten ja auch keine Null-Acht-Fünfzehn-Satzung. Das sieht man schon am Zweck unserer Vereinssatzung. Hier geht es um Biker, Rocker & Outlaws, bis hin zur Biker-Philosophie. Unsere Satzung wurde auf rechtswidrige Art und Weise ins Bayerische Staatsministerium des Inneren geschickt zur näheren Prüfung. Danach wurde diese Beamtin urplötzlich krank, als unser Anwalt sie auf diesem Umstand hinwies. Ab diesem Zeitpunkt ging es dann nach 8 Monaten seit unserem Antrag sehr schnell und wir waren eingetragen. Einziger Wehrmutstropfen neben einem spitzenmäßigen Anwalt gehabt zu haben: Wir haben über 2.482,40 DM bezahlen müssen.

Conni/BA: Welche Ziele habt ihr ?

Sid: Aus den eigenen Schwierigkeiten und Erfahrungen mit der Polizei und den Behörden eine konkrete Anlaufstelle zu werden für Fragen und Informationen jeglicher Art. Außerdem als ehemaliger Member und Secretary eines MCs und den vielen damit verbundenen Besuchen bei den anderen Clubs kenne ich diverse Probleme. Genehmigungen von Clubpartys, verstärkte Kontrolllen bei den Rallys etc. Siehe hierzu unsere WebSite.

Conni/BA: Was macht ihr anders bzw. wollt ihr anders machen ?

Sid: Wir wollen kein klassischer Verein sein im herkömmlichen Sinne. Keine langen im Voraus geplanten Hauptversammlungen organisieren zu müssen, noch dafür üppige Gelder aus den Mitgliedbeiträgen und Spenden ver(sch)wenden zu wollen. Dafür haben wir bisher auch nicht die Budgets, sondern wir nutzen unsere Möglichkeiten über das Internet bzw. vor Ort die persönlichen Kontakte.

Connie/BA: Wie muß sich der Biker eure Arbeit vorstellen ?

Sid: Unsere größte Aufmerksamkeit widmen wir naturgemäß unserer WebSite. Dies ist in erster Linie unsere Plattform, über die wir uns nach außen am Optimalsten darstellen können und dabei Kontakte bekommen. In eMails sind wir in Kontakt, stellenweise bis nach USA, als wir unseren alten Internetauftritt ins englische übersetzt hatten. Außerdem per Fax bzw. Brief, wo wir uns zu Wort melden und sowas wie Lobbyarbeit leisten.

Connie/BA: Welche Erfolge könnt ihr vorweisen ?

Sid: Eine zunehmende Aufmerksamkeit bei allen, von Bikern, Rockern, Institutionen, Medien, bis hin über unsere Landesgrenzen hinaus. Ebenso wenn wir von einem unter den großen MCs dazu aufgefordert werden, einen Info-Stand bei einen ihrer Partys zu machen! Natürlich ist klar, dass dies nicht alles über Nacht erreicht werden kann. Wir arbeiten hart, aber beständig dran. Ansonsten leisten wir viel, wenn man bedenkt, wie wenig wir dafür ausgeben. Ok, wir könnten dies derzeit auch nicht.
Wut kommt auf, wenn man sieht was eine größere Organisation sich leistet: Eigenes Personal, eigenes Büro, Ausgaben für (außerordentliche) HVs und fette Einnahmen aus den Biker-Weekends. Gerade wo die auch angeblich soviel tun wollen für die Sicherheit der Biker. Aber am Vergleich von MEHRSi e.V., sieht man deutlich, dass bei dieser sog. größten Interessensvertretung zuviel auf dem Papier steht, aber wenig Angagement und noch weniger Taten dahinterstecken. Gefährliche Stellen auf Bikerstrecken in der Eifel mit Unterfahrschutz an Leitplanken für Biker sind alles Erfolge von MEHRSi e.V. Klasse Arbeit !!!

Conni/BA: Wie hat sich die Mitgliederzahl entwickelt ?

Sid: Anfangs sehr gut, dann kam eine Delle und dann kam der Frust bei uns auf, wenn die Leute vergessen ihre Beiträge zu bezahlen oder umziehen und keine Kontaktadressen mehr vorhanden sind. Deswegen werden wir die Satzung ändern und die Struktur anpassen, so dass wir in aktive und passive Mitglieder unterscheiden. Bei den passiven Mitgliedern endet dann automatisch die Mitgliedschaft mit der Einstellung der Beiträge. Somit gibt es dann auch keinerlei Verwaltungsarbeiten zu leisten. Das aktive Mitglied teilt uns mit, wo und wie es sich bei uns einbringen kann. Wir sind anders, eben kein gewöhnlicher Verein.

Conni/BA: Wird sich sonst noch was ändern an eurer Satzung ?

Sid: Ja, wir werden quasi gemeinnützig, dass heißt wir werden unter § 10 Auflösung den gesamten Teil des Vereinsvermögens an eine Organisation spenden.

Conni/BA: Darf man erfahren an welche Organisation ?

Sid: Ja! An den gemeinützigen Verein, MEHRSi e.V. - Sicherheit für Biker. Dieser setzt sich aktiv für den Unterfahrschutz an Leitplanken mit dem Typ Euskirchen ein. In der Eifel in NRW wurde dieser Schutz für Biker schon installiert.

Conni/BA: Was sind in nächster Zeit für Pläne angedacht ?

Sid: Wir werden nicht großartig über Pläne oder Visionen reden, sondern nur über das hier und jetzt und das was wir derzeit machen. Dies sehen wir als Bringschuld an, um eine Basis zu schaffen mit dem es möglich sein wird, eines Tages mit den MCs an einem Tisch zu sitzen und darüber zu entscheiden, was wir noch gemeinsam unternehmen können für unsere Rechte, für unsere Szene und zum Wohle aller Biker, Rocker & Outlaws.

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